Test: Cyberlink Media Suite 10

All inclusive

cyberlink-media-suite-10Wer sowohl Fotos als auch Videos bearbeitet, freut sich über ein integriertes Komplettpaket mit ähnlicher Bedienung, Optik und Formatunterstützung. Cyberlink legt bei seiner Media Suite auch noch einen Player obendrauf und macht das Thema Media-PC damit komplett. Dass sich die Media Suite aus vielen verschiedenen Programmen zusammensetzt, merkt man ihr nach der Installation nicht an: Das Startmenü ist aufgeräumt, auf dem Desktop erscheint nur eine Verknüpfung und in der Systemsteuerung gibt es ebenfalls nur einen Cyberlink-Eintrag. Gestartet wird die Media Suite über den so genannten Power Starter. Seine Logik ist Aufgabenorientiert, hinter den Schaltflächen Film, Video, Foto, Musik und Dateien öffnen sich daher nicht immer die gleichen Programme.

Der Power Starter fungiert als Zentrale für alle installierten Cyberlink-Programme.

Ein „Video – Videodateien wiedergeben“ startet beispielsweise die Playersoftware PowerDVD, während „Video – Erweiterte Videobearbeitung“ die Schnittsoftware Power Director öffnet. Nicht ganz logisch: „Video – Einfache Videobearbeitung“ öffnet die Foto-Software Media Show statt wie erwartet den Easy-Modus des Power Directors.

Wer keine Aufgaben-orientierte Bedienung mag, kann die installierten Programme auch direkt starten

Wer auch ohne den Power Starter weiß, was er will, wählt entweder über das Puzzle-Zeichen eine Übersicht aller installierten Cyberlink-Programme oder startet die passende Einzelanwendung aus dem Windows-Startmenü. Dann fällt zwar eines der Hauptfeatures der Suite weg, preislich bleibt sie trotzdem interessant: Für 109,99 Euro gibt es immerhin den Power Director 10, das nagelneue Media Show 6, PowerDVD 12 in der Version mit 3D und Blu-ray, Power Producer 5.5 und noch viele weitere Tools. Dabei müssen sich die Einzelanwendungen nicht vor der Konkurrenz verstecken.

PowerDVD 12

PowerDVD 12 ist für die Wiedergabe zuständig. Seine Stärken liegen aus der Tradition im Videobereich, wo sogar 3D-MVC eigener Videoclips unterstützt wird.

Die vermutlich bekannteste Software von Cyberlink ist für jegliche Wiedergabe zuständig. Dazu bietet sie eine Seitenleiste mit Zugriff auf DVDs und Blu-rays im optischen Laufwerk, die Foto/Video/Musik-Ordner von Windows, die Festplatten des PCs sowie im Netzwerk erkannte DLNAServer. Neu ist der Musikshop, der vom britischen Anbieter 7digital bestückt wird und Zugriff auf Kauf-MP3s bietet. Allerdings bleibt das Thema Musik doch eher rudimentär, die Herkunft als Video-Player kann PowerDVD nicht verleugnen. Neben HD ist PowerDVD auch 3D-tauglich, an unserem Test-PC wurde sowohl der Nvidia 3D-Vision-Monitor als auch ein per HDMI 1.4 angeschlossener 3D-Plasma akzeptiert. Bei der Wiedergabe eigener 3D-Clips nützt das jedoch nicht allzu viel: Der Plasma kann nur BD-gerecht mit 1080/24p angesteuert werden, die 50i unserer 3D-Testaufnahmen passen da nicht. Für eigene Clips kommt daher am besten ein 3D-Vision-Monitor zum Einsatz, damit klappte die Wiedergabe der MVC-Clips von Sony und JVC problemlos. Panasonics Side-by-side wurde zwar als 3D erkannt, aber nicht alle Clips korrekt angezeigt.

Während der Wiedergabe kann PowerDVD neuerdings in das Bild hineinzoomen, praktisch zur Bildfehlersuche.

In diesem Fall hilft die manuelle Zuweisung, per „3D-Format ändern“ kann man PowerDVD auf die Sprünge helfen. Zum Durchstöbern der Videosammlung ist die neue Zoom-Option praktisch: Der Clip unter dem Mauszeiger vergrößert sich automatisch, mit einem Schieberegler können zusätzlich alle Vorschauansichten vergrößert werden. Witzig: Das funktioniert auch während der (2D-) Wiedergabe, damit lässt sich zum Beispiel auf einem kleinen Monitor die Schärfe aufgenommener Video beurteilen. Ein bisschen Technikwissen sollte man dabei aber im Hinterkopf behalten: PowerDVD verwendet bereits seit einigen Versionen eine hochwertige Bildaufbereitung namens TrueTheater. Daher sehen selbst stark hineingezoomte Bilder immer noch gut aus; geht es um Qualitätsbeurteilung, sollte man TrueTheater abschalten.

MediaShow 6

Nicht ganz stringent ist die Möglichkeit von PowerDVD, auch Fotos darzustellen. Denn dafür ist eigentlich Media Show gedacht: Mit den typischen Foto-Aufgaben Importieren, Bearbeiten, Erstellen und Teilen klickt sich der Nutzer durch die Möglichkeiten des Programms. Neueste Funktion ist dabei die Gesichtserkennung: Gesichter können vom Nutzer mit Namen versehen werden, neue Fotos der gleichen Person landen einfach per Drag´n´ Drop auf ihrem Namen. Praktischerweise können Fotos danach nicht nur per Namens-Tag (Kennung) wieder sortiert werden, auch die Suchfunktion erkennt die Personen. Mal eben ein Foto mit Onkel Eduard und Oma Sonja zu finden ist so kein Problem. Manchmal erinnert man sich aber auch nur an ein Aufnahmedatum, dafür bietet Version 6 jetzt eine Kalenderansicht. Einfach ein Doppelklick auf Omas Geburtstagsdatum und schon sind alle aufgenommen Bilder da. Die können neuerdings auch im RAW-Format oder in 3D vorliegen: Genau wie in Power DVD werdensie dann über einen 3D-Vision-Monitor ausgegeben, auf Wunsch rechnet Media-Show 6 auch normale Fotos in 3D um. Dabei kommt wie bei allen Korrekturen die Kombination aus Prozessor und Grafikkarte zum Einsatz, die Wartezeiten fallen daher kaum ins Gewicht. Allerdings sind die Möglichkeiten im Vergleich zum nicht in der Media Suite enthaltenen Photo Director begrenzt, ein echtes RAW-Entwicklungsmodul fehlt ebenso wie das derzeit angesagte Geo-Tagging. Der Schwerpunkt liegt eher im Zusammenspiel mit den anderen Programmen der Media Suite, passend dazu kann Media Show Diashows erzeugen oder Film-Discs brennen. So ganz stringent blieben die Entwickler dabei aber ebenfalls nicht: Media Show kennt zusätzlich zu Fotos auch Videos, die Bearbeitungsmöglichkeiten stehen dafür jedoch oftmals nicht zur Verfügung. Hier wäre eine deutlichere Abgrenzung zu den Video-Programmen sinnvoll.

Power Director

Highlight von Media Show ist die Gesichtserkennung.

Die große Neuerung der Version 10 war die Integration von 3D, die wir in der Videokamera objektiv 1-2/2012 bereits vorgestellt haben. Sie entspricht in etwa dem, was auch die beiden vorangegangenen Programme bieten: 3D-MVCDateien können importiert, geschnitten und per 3D-Vision oder bei passender Bildrate über HDMI 1.4 ausgegeben werden. Alternativ landen sie auf einer 3DDisc als DVD, AVCHD-DVD oder Blu-ray.

Der Power Director bietet neben dem Storyboard-Schnitt auch eine klassische Oberfläche mit Timeline.

Dabei können Clips ohne MVC zum Beispiel von älteren Panasonic-Camcordern passend umgerechnet werden oder, wenn sie nur in 2D vorliegen, per True-Theater auf 3D erweitert werden. Doch im Vergleich zur damals getesteten Einzelplatzversion vom Power Producer fiel uns leider eine Beschränkung auf: Die Option „Dual Vorschau“, die sich perfekt zur Ausgabe des Videobildes auf einen angeschlossenen Schnittmonitor eignet, ist in der Suite-Version leider abgeschaltet. Während an anderer Stelle nur mal ein Effekt oder eine Vorlage im Vergleich zu den Einzelprogrammen fehlt, wird hier der Funktionsumfang unnötig eingeschränkt. Schade, denn gerade im Zusammenspiel mit den neuen Decklink-Treibern eröffnen sich an dieser Stelle für die Zukunft neue Möglichkeiten.

Power Producer

Cyberlinks zusätzliche Authoring-Software ist schon etwas älter und hat noch nicht die 3D-Möglichkeiten der anderen Programme geerbt. Auch die grundsätzlichen Fähigkeiten des Authorings sind nicht besser als die integrierten Funktionen des Power Director. So wird auf die gleichen Vorlagen zurückgegriffen, beide Programme können die Menüstruktur als Baum anzeigen, und neben DVDs oder Blu-rays erzeugen beide Programme auch AVCHD-Discs oder Video-CDs. Warum Cyberlink es trotzdem mitliefert, dürfte zwei Gründe haben. Erstens lässt sich der Authoringteil des Power Director nicht einzeln starten und würde daher nicht in das Konzept des Power Starters passen. Und zweitens ist die Unterstützung des AVRec-Formats im Power Director noch nicht angekommen. Zusätzlich ist die Bedienung des Power Producers etwas einfacher gelöst und es sind einige Sonderfunktionen wie das direkte Erzeugen einer Backup-Disc direkt vom Camcorder integriert.

Spezialitäten

Dabei ist die Media Suite eine der wenigen Möglichkeiten, auch komplette Backups größerer Festplatten-Camcorder anzulegen: Mit der durchgehenden Unterstützung des BDXL-Formats bis 128 GB ist reichlich Platz für Backups und Filmsammlungen. Wer zum Brennen auf Power2Go zurückgreift, kann seine Sammlungen sogar mit AES256-Sicherheit verschlüsseln. Eher für unterwegs praktisch ist Media Espresso: Der Konverter rechnet Fotos, Videos und Musik in einem Rutsch passend für ein Mobilgerät um. Einfach die Daten ins Fenster ziehen, Endgerät auswählen, fertig.

Fazit

Cyberlinks Media Suite bietet für 109,99 Euro einen guten Funktionsumfang im Bereich Video, Disc-Erstellung und Foto. Dabei hat man sich recht viel Mühe bei der Integration der Einzelprogramme gegeben, auch wenn es prinzipbedingt doch zu gelegentlichen Doppelungen kommt. Gegenüber den Einzelplatzversionen Power Director Ultra, PowerDVD Pro und Media Show Deluxe spart man etwa 95 Euro und muss dafür auf ein paar Effekte, Vorlagen und die Dual-Vorschau beim Videoschnitt verzichten. Wer also Verwendung für alle Programmteile hat, bekommt viel fürs Geld; wer sich bereits auf ein Programm spezialisiert hat, fährt besser mit der Einzelanwendung.

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